Warum Horror-Serien die Streaming-Charts dominieren
Horror-Serien wie "Below", "Carrie" und "Crystal Lake" führen derzeit die Streaming-Charts an. Experten sehen den Grund im Bedürfnis nach emotionaler Katharsis in einer fordernden Wirklichkeit.
Horror ist längst kein reines Kinogenre mehr. Im Oktober standen gleich drei Gruselserien auf drei Plattformen an der Spitze der Charts: "Below" auf Netflix, "Carrie" auf Amazon Prime und "Crystal Lake" auf HBO Max erreichten jeweils Millionen Zuschauer. Bislang ging die Branche davon aus, dass das gemeinsame Fürchten vor allem auf die große Leinwand gehört. Doch die Welle schwappt nun auch in die Serienwelt.Den Erfolg führt der Kulturwissenschaftler Mark Schmitt von
der TU Dortmund auf das Bedürfnis des Publikums nach Katharsis zurück: Man könne in einem fiktiven Setting für 90 Minuten seine Seele emotional trainieren für die Schrecken dieser Welt. Dieses Training weiten die Serien nun auf mehrere Stunden aus. Die Beispiele zeigen dabei eine große thematische Bandbreite: "Carrie" verlegt Stephen Kings Stoff in die Gegenwart und verknüpft Mobbing über Social Media mit einem kaputtgesparten Bildungssystem."Below" erzählt von einem Seemonster
vor Neufundland und lässt sich als Öko-Thriller über menschengemachte Umweltzerstörung lesen. "Crystal Lake" wiederum beleuchtet die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung anhand der Vorgeschichte von Jason Vorhees. Auch andere Produktionen greifen aktuelle gesellschaftliche Themen auf: "Das Institut" in der ZDF-Mediathek nach Stephen King behandelt den Verlust von Empathie, die Emmy-gekrönte Apple-TV-Serie "Widows Bay" thematisiert Gentrifizierung und Overtourism.





