heise+ | c’t-Story: Vertrauensfrage
Ein neues Altersprüfgerät steht im Imbiss von Schorsch: handgroß, schwarz, mit blauem Leuchtrand. Kunden können per digitaler Brieftasche ihr Alter nachweisen, ohne persönliche Daten zu zeigen.
Seit Kurzem steht im Imbiss um die Ecke ein neues Gerät neben der Kasse. Solche Neuanschaffungen sind dort selten: Es gibt eine Fritteuse, einen Kühlschrank, die Kasse und einen außer Betrieb genommenen Toaster im Hinterraum. Das neue Gerät ist handgroß, schwarz und besitzt ein Display, unter dem ein schmaler Ring blau leuchtet. Schorsch hat es zwischen Kasse und Zahnstocherglas platziert, wo sonst sein Kugelschreiber an einer
Kordel liegt.Auf dem Display steht „Altersprüfung bereit“ und darunter: „So wenig Daten wie nötig. So viel Sicherheit wie vorgeschrieben.“ Auf Nachfrage erklärt Schorsch, der Zahlungsdienstleister habe ihm den Altersprüfer im Pilotbetrieb hingestellt. Wer Bier kaufe, könne mit einer digitalen Brieftasche nachweisen, über achtzehn zu sein, ohne Namen, Adresse oder Geburtsdatum preiszugeben.Ihm als Betreiber verspreche der
Anbieter weniger Ärger bei Kontrollen und einen kleinen Nachlass auf die Versicherung. Der Hape vom Stammtisch betrachtet das Gerät mit schiefgelegtem Kopf und meint, der blaue Ring wirke verbindlich. Ich bestelle ein Bier. Die Geschichte stammt aus der c’t-Story „Vertrauensfrage“ von Florian Link, der den Präsidialstab der Technischen Hochschule Bingen leitet und zuvor im Wissenschaftsministerium Rheinland-Pfalz tätig war.





